Alltag im Theater: Die Souffleuse

Was, wenn Bühnenkünstler ihren Text vergessen? Diese Frage zu klären, empfing Heidi Pohl die Theaterfreunde am 17. Oktober auf der Probebühne 2 im kleinen Haus. Heidi Pohl ist seit dem Jahr 2000 Souffleuse für den Schauspielbereich, bei Bedarf auch für das Musiktheater am Staatstheater Mainz.

In lockerem Plauderton erzählt Pohl über den Beruf der Souffleuse und ihre Erlebnisse und Erfahrungen. So lernen die Theaterfreunde, dass Soufflage kein Lehrberuf ist. Pohl berichtet, dass sie selbst über Hospitanzen am Mainzer Theater zu ihrem Job gekommen sei, als eine Souffleusenstelle zu besetzen war.

Die Arbeit der Souffleuse vor der Aufführung

Die Arbeit einer Souffleuse erstreckt sich nicht nur auf Aufführungen: Die Proben bilden den Schwerpunkt ihrer Arbeit. So ist Heidi Pohl bei jeder neuen Produktion von Anfang an bei jeder Probe dabei. Der endgültige Text entsteht oft erst während der Probenarbeit. Änderungen und Striche werden immer vorgenommen, und die Darsteller lernen den Text hauptsächlich während der Probenarbeit. Dabei werden Fehler nach und nach ausgebügelt. Die Souffleuse bearbeitet ihr Textbuch entsprechend. Sie macht Markierungen, die zum Beispiel Pausen, auch nach Länge, Bewegungen, Handgriffe etc. kennzeichnen.

… und während der Aufführung

Bei den Aufführungen dient die Soufflage im Wesentlichen zur Sicherheit für die Darsteller. Wirkliche Texthänger gäbe es nur sehr selten, berichtet Pohl. Wenn der Darsteller nicht weiterkommt, gibt er der Souffleuse ein Zeichen. Dies kann verschiedener Art sein. Die Verständigung zwischen Darsteller und Souffleuse erfolgt ganz individuell. Mit der Zeit erkenne man aber die Signale, erklärt Pohl. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, muss die Souffleuse dann laut sprechen, damit sie auf der Bühne auch verstanden wird.

Pohl als Regisseurin der Fastnachtsposse

Da Heidi Pohl vielen Theaterfreunden auch als Regisseurin der alljährlichen Fastnachtsposse bekannt ist, gehen die Fragen der Theaterfreunde verstärkt in diese Richtung. So erfahren sie beispielsweise, dass es sich bei den Darstellern ausschließlich um Amateure handelt: das Ensemble des Mainzer Carneval-Vereins, die „Scheierborzeler“. Entsprechend lang ist mit sechs Monaten die Zeit für die Proben bemessen. Pohl hatte vor vielen Jahren zunächst für zwei Monate den damaligen Regisseur vertreten und dann komplett die Regie übernommen. Mittlerweile hat sie bereits 19 Possen inszeniert.

Weiter erfahren die Theaterfreunde, was die traditionellen Vorgaben für die Posse sind: Sie muss an Fastnacht spielen, wird mit einer Ouvertüre eröffnet und im Dialekt gesprochen. Pflicht sind ebenso ein Eingangssänger und Schunkellieder. Ansonsten hat Pohl, die auch einige Possen selbst geschrieben hat, freie Hand bei der Gestaltung.

Mit dem, was und wie Pohl über Ihre Tätigkeiten berichtete, zeigte sie – auch ohne etwas sichtbar zu zeigen – wie interessant und auch amüsant ihre Arbeit am Theater ist.