Was kommt nach der Tanzkarriere?

Dornröschen (Spielzeit 2013/2014)

Dornröschen (Spielzeit 2013/2014)

Unter dem Titel „Ich habe schon ein Leben hinter mir“ schildert Eva-Maria Magel in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.9.2014 das Schicksal von 2 Tänzerinnen am Ende ihrer Karriere als Balletttänzerinnen.  Eine von den beiden Frauen ist Luisa Sancho Escanero, die unter Ballettchef Pascal Touzeau Mitglied des Tanzensembles ballettmainz war. Im Unterschied zu anderen Berufsgruppen müssen sich Tänzerinnen und Tänzer nach einer relativ kurzen aktiven Bühnenlaufbahn beruflich neu orientieren (Transition), und zwar in einem Alter, in dem in anderen Berufen die Karriere schon auf vollen Touren läuft. Deshalb bestimmen während und zum Ende der Karriere oft Zweifel, Unsicherheit, große Leere und viele Fragen das Leben der Tänzerinnen und Tänzer.

Stiftung Tanz hilft

Dieses allgemeine Problem jeder Tänzerkarriere hatte die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags ‚Kultur in Deutschland’ in ihrem Schlussbericht vom 11.12.2007 veranlasst, Bund und Ländern zu empfehlen, „Tänzer während und nach der Tanzkarriere durch die Errichtung einer entsprechenden Stiftung TRANSITION auf der Grundlage der Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Transition und soziale Aspekte“ zu unterstützen.“ (Bundestag-Drucksache 16/7000, Seite 312).

Auf dieser Basis wurde am 10. Januar 2010 die Stiftung TANZ – Transition Zentrum Deutschland mit privaten Mitteln gegründet. Sie hat ihren Sitz in Berlin. Zweck der Stiftung ist laut ihrer Satzung unter anderem „Tänzer und Tänzerinnen während der Ausbildung und der Karriere in ihrer künstlerische Entfaltung und Leistungsfähigkeit zu fördern und nach Beendigung der aktiven tänzerischen Laufbahn und während des Übergangs in einen neuen Beruf (= Transition) ideell und materiell durch alle dazu geeigneten Maßnahmen zu fördern.“ Vorsitzende des Vorstands ist Sabrina Sadowska. Kuratoriumsvorsitzender ist John Neumeier, Ballettdirektor und Chefchoreograph des Hamburg Ballett.

Luisa Sancho Escanero hat es geschafft

Luisa Sancho Escanero hat den Sprung vom Tanzboden in eine erfolgversprechende neue Karriere geschafft, und zwar mit Hilfe dieser neuen Stiftung. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaften an der spanischen Fernuniversität, übrigens parallel zu ihrem Engagement bei ballettmainz, wird sie Assistentin von Jacopo Godani, der 2015 die Nachfolge von William Forsythe antreten wird. Trotzdem hält sie Änderungen in der Tanzsparte für überfällig: „die Leute sind mit 40 ja auf dem Gipfel, mit 20 Jahren Erfahrung. Das darf man nicht einfach wegwerfen. Wir müssen uns neu erfinden.“

John Neumeier, der Kuratoriumsvorsitzende dieser Stiftung, teilt diese Ansicht, wenn er auf der Internetseite der Stiftung schreibt: „Wenn Tänzer ihre aktive Karriere beenden, so nehmen sie ihre über Jahre trainierten Fähigkeiten mit in eine Gesellschaft, die immer mehr Wert legt auf Kreativität, Spontaneität, Disziplin und Ausdauer. Tänzer, die sich einbringen im Formulieren dessen, was uns bewegt. Die gelernt haben, sich auszudrücken. Und die Kommunikation als wesentlichen Teil unseres Menschseins in ihrer Kunst praktiziert haben. Dieses Potential darf nicht ungenutzt bleiben.“