Vortrag zu Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“

Die Meistersinger von NürnbergProfessor Dr. Friedemann Kreuder, Institutsleiter Theaterwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, ist bei den Theaterfreunden wegen seiner interessanten und unterhaltsamen Vorträge über Literatur und Schauspiel bekannt und beliebt. Am 6. Juni 2015 sprach er erstmalig bei den Theaterfreunden über eine Oper, Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Professor Kreuder hat, wie er bekennt, schon seit seiner frühen Jugend eine starke Affinität zu Richard Wagner und widmete seine Magisterarbeit dem Gesamtkunstwerk Wagners.

Beim Aufzeigen von Wagners politischen Ansichten zur Zeit der Entstehung der „Meistersinger“ 1868 stellt Kreuder seine umfangreichen Wagner-Kenntnisse unter Beweis. Wagner lehnte die damaligen politischen Veränderungen unter Otto von Bismarck strikt ab. Er wollte den Deutschen Bund erhalten wissen, möglichst unter der Führung Bayerns. Diesbezüglich hatte er sich mehrmals direkt an König Ludwig II. gewendet. Sitz des Deutschen Bundes sollte nach Wagners Vorstellung Nürnberg sein.

Wagners politische Ideologien in seinem Schaffen beschreibt Kreuder anhand von Partitur und Libretto. Er zeigt auf, dass Wagners politische und kunsttheoretische Schriften streckenweise sehr gesellschaftspolitisch sind und teilweise die Überwindung des Kapitalismus und die Errichtung einer monarchistischen Republik zum Ziel haben. Wagner spricht dabei von einer befreiten Gesellschaft.

Wagners Kunsttheorie bezeichnet die Oper als “musikalisches Drama“: Wagner stellt die Musik in den Dienst der dramatischen Handlung. Die Musik hat nach dieser Theorie die Handlung zu unterstützen. Wagner gebraucht in diesem Zusammenhang oft den Begriff Gesamtkunstwerk, das idealerweise im Rahmen von Festspielen aufgeführt wird.

Wagners Schriften mit dem damaligen politischen Umfeld vergleichend beschreibt Kreuder Akt für Akt die „Meistersinger“. Geschickt ausgewählte Musikbeispiele machen den aufgezeigten politischen Anspruch in Wagners Werk deutlich erkenn- und hörbar. Diesem politischen Anspruch folge auch die aktuelle Inszenierung der Meistersinger am Staatstheater Mainz, betont Kreuder.