Theaterkritik: Julia Hölschers TOSCA spaltet Publikum und Kritik

Die Premiere von Puccinis Oper TOSCA in der Inszenierung von Julia Hölscher am 1.3.2015 im Großen Haus des Staatstheaters Mainz erntete viel Beifall, aber auch einige Buhrufe. Vor allem, dass die Regisseurin sich keinen Deut um eine reale Welt an den „Originalschauplätzen“ geschert hat, sondern vieles der Fantasie des Publikums überlässt, hat nicht nur die Besucher, sondern auch einen Teil der Kritiker irritiert.

Benedikt Stegemann (FAZ Rhein-Main vom 3.3.2015) findet dagegen, das Regiekonzept am Ende überzeugend, weil es die uferlose existentielle Einsamkeit der Protagonisten sehr wirkungsvoll ausstelle, ohne die Substanz des Werkes anzutasten. „Alle Handlung findet beinahe wie vorgeschrieben statt, mit dem gewichtigen Unterschied, dass die von Puccini angestrebte Wirklichkeitsnähe Schritt für Schritt in die Sphären subjektiver Imagination abdriftet.“ Volker Milch (Allgemeine Zeitung vom 3.3.2015) will darin eine eher „sich selbst bespiegelnde Inszenierung“ gesehen haben, wobei er auf den zu Beginn und am Ende der Aufführung auf der Bühne gezeigten überdimensionierten Spiegel anspielt, der Publikum und Kritiker am meisten polarisert hat.

Tosca

Nadja Stefanoff, Derrick Ballard – Foto: Martina Pipprich

In einem Punkt sind sich allerdings – fast – alle einig. Die sängerischen Leistungen waren an diesem Abend hervorragend. Besonderes Lob von allen Seiten erhält Nadja Stefanoff. „Toscas „Vissi d’arte“ und Cavaradossis „E lucevan le stelle“ sind suggestiv gestaltet, vokal souverän gemeistert“, stellt Benedikt Stegemann fest. Claus Ambrosius (Rhein-Zeitung vom 3.3.2015) ist auch insoweit anderer Meinung und lässt an der Inszenierung und an den musikalischen Leistungen kein gutes Haar.

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