Orchesterreform rückwärts: Wiedervereinigung von Theater und Orchester

Operngala 2014 – Foto: Martina Pipprich

Nach dem Willen von Land und Stadt soll das Philharmonische Staatsorchester Mainz wieder in das Staatstheater Mainz integriert werden. Damit würde die Orchesterstrukturreform aus dem Jahre 2004 rückgängig gemacht. Das vereinfache die Organisation und Doppelstrukturen fielen weg, erklärte der Intendant des Staatstheaters, Markus Müller. Die dabei angekündigte Kooperation der drei Landesorchester sei in der Praxis nicht erfolgreich gewesen. Das spiele sich allenfalls „im Promillebereich“ ab, erklärten Intendant Müller und Orchesterchef Bäumer. Stellen sollen bei der Fusion weder beim Theater noch beim Orchester wegfallen. Die endgültige Entscheidung wird allerdings erst im Jahr 2018 fallen.

Grund dieser „Wiedervereinigung“ der ohnehin eng zusammenarbeitenden kulturellen Institutionen ist die Beseitigung administrativer Hürden. Aus Sicht des Intendanten bringt diese Zusammenführung von Theater und Orchester allen Beteiligten nur Vorteile. Planungen und Absprachen würden deutlich vereinfacht und organisatorische Doppelstrukturen entfielen.

Die zum 1. Januar 2019 geplante Rückführung des Orchesters könnte darüber hinaus Anlass sein die Beteiligungsquoten von Land und Stadt zu verändern. Stadt und Land tragen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 24,2 Millionen Euro bisher zu gleichen Teilen. Falls das Land im Rahmen der Rückführung das Orchester mit knapp 2 Millionen Euro eigenständig weiterfinanzieren würde, würde sich sein Anteil beim aktuellen Gesamtbudget von 28,8 Millionen Euro prozentual um 5 Prozentpunkte auf 55 % erhöhen. Umgekehrt würde die Stadt entsprechend entlastet. In diesem Punkt sind sich Land und Stadt jedoch keineswegs einig.

Der Vorsitzende der Theaterfreunde Mainz, Dr. Wolfgang Litzenburger, begrüßt diese Wiedervereinigung des Staatstheaters mit „seinem“ Orchester mit den Worten: „Das ist die Orchesterreform rückwärts“. Die Freunde des Mainzer Theaters hatten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die letztlich umgesetzte Orchesterreform zu Doppelstrukturen und einem höheren Kostenaufwand führen werde.