Nestroy-Preis 2017 für Regisseur Jan-Christoph Gockel

Foto von der Preisverleihung, Wiener Bühnenverein, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien

Der Mainzer Hausregisseur Jan-Christoph Gockel hat den Nestroy-Preis 2017 in der Kategorie „Beste Bundesländer-Aufführung“ für die Inszenierung „Der Auftrag: Dantons Tod“ mit Texten aus Heiner Müllers „Der Auftrag“ und Georg Büchners „Dantons Tod“ am Schauspielhaus Graz erhalten. Die Jury begründet diese Entscheidung wie folgt: „Die Verknüpfung zweier intellektueller Thesendramen könnte ein anstrengendes Unterfangen sein. Doch Jan-Christoph Gockel ist es bravourös gelungen, zwei politische Dramen in sinnliche Unterhaltung zu verpacken. Die „Weltverbesserer“ aus Europa preschen laut und vulgär im Jeep auf die Bühne, um auf Jamaika die Demokratie einzuführen. Die Verquickung von Heiner Müller und Georg Büchner ist angelegt, weil Müller Szenen aus „Dantons Tod“ zitiert, die hier als phantastisches Puppenspiel ausgeweitet sind. In beiden Stücken soll ein politischer Auftrag erfüllt werden, in beiden Fällen scheitert er durch Verrat an den revolutionären Idealen. Wie Danton sich von Robespierre absetzt, springt auch Debuisson, die Hauptfigur bei Müller, von dem hehren Auftrag ab und verfällt wieder in sein altes Muster als despotischer Plantagenbesitzer. Die Besetzung mit einer Frau, der umwerfenden Julia Gräfner, nimmt dem Machismus die Spitze und rückt das Entsetzen über die Unverbesserlichkeit der Menschen in ein komödiantisches Licht.“

Der Nestroy ist nach dem Dichter Johann Nepomuk Nestroy benannter österreichischer Theaterpreis, der seit dem Jahr 2000 in zur Zeit vierzehn Kategorien verliehen wird. Initiiert hat diesen Preis die Stadt Wien. Ausgezeichnet werden Theaterschaffende österreichischer Bühnen in Aufführungen des Theaterjahres vor der Verleihung. Aus den von österreichischen Theaterkritikern nominierten Kandidaten, wählt die „Akademie“, die aus sämtlichen bisherigen Trägern der Kainz-Medaille, des Nestroy-Rings und des Nestroypreises sowie allen bisher dafür Nominierten besteht, die auszuzeichnenden Künstler aus.