Michael Pietsch: Leidenschaft für Theater und Puppen

Foto: Andreas Etter

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Der Schöpfer des Adalbertchens in Hauptmanns Tragikomödie DIE RATTEN in der Inszenierung von Jan-Christoph Glockel, der Schauspieler Michael Pietsch, erzählt in einem Interview der Redakteurin Michaela Paefgen (AZ vom 21.3.2015), was ihn antreibt, nicht nur zu Schauspielern sondern auch Puppen zu bauen. Insgesamt 15 Puppen hat Pietsch gemeinsam mit den verschiedenen Theaterwerkstätten bisher angefertigt.

Bereits als Abiturienten hatten er und Jan-Christoph Gockel in Kaiserslautern 2004 mit einer Marionetten Revue Aufsehen erregt. In Oldenburg folgte mit Bertolt Brechts „Baal“ eine weitere von bislang sieben gemeinsamen Inszenierungen.

Pietsch wollte zu allererst Schauspieler werden. Dazu gesellte sich erst etwas später die Passion für Puppenspiel und -bau. „Die Puppen ziehen den Betrachter in Bann, üben eine ganz eigene Magie aus“, sagt er in dem Interview. „Ihr Geheimnis liegt darin, dass jeder weiß, dass er ein Stück Holz ohne Bewusstsein vor sich hat. Das macht sie zur Projektionsfläche.“ Puppen und Schauspiel stünden nicht in Konkurrenz, sondern die Kombination eröffne eher Möglichkeiten.

Michaela Pafgen schreibt weiter: „Als Förstersohn aufgewachsen in einem kleinen Ort bei Kirchheim-Bolanden weiß er, Holz ist bedächtig und fordert Ruhe. In der Einsamkeit der elterlichen Werkstatt, ohne Handyempfang, lässt er seine Puppen aus groben Holzblöcken entstehen. Vertieft sich in Mimiken, kerbt charaktergebende Linien in ungehobelte Gesichter, verfeinert Mechaniken wie Augenrollen oder Atmen so lange, bis die Seele von Mensch, Hase, Lama erscheint. Je nach Inszenierung.“ So wichtig Michael Pietsch die Puppen auch seien, so wolle er doch nicht als Puppenspieler ganz hinter der Puppe verschwinden. „Ich habe das sehr in mir, dass ich selber spiele“.