Mainzer Regisseur bringt NSU-Morde in Karlsruhe auf die Bühne

Der künftige Hausregisseur am Mainzer Staatstheater, Jan-Christoph Gockel, hat am Staatstheater Karlsruhe ein Theaterstück von Konstantin Küspert über die Morde des National-Sozialistischen-Untergrunds (NSU) inszeniert. Unter dem Titel „Rechtsmaterial“ wurde es am 29.3.2014 am Staatstheater in Karlsruhe uraufgeführt. Regisseur Jan-Christoph Gockel und der Autor Konstantin Küspert hatten sich für die Erarbeitung dieses Stück fachkundigen Rat beim mittlerweile pensionierten Leiter der Terrorismusabteilung der Bundesanwaltschaft, Rainer Griesbaum, geholt. Im Vorfeld der Arbeiten an diesem Stück hatten Autor, Regisseur und Ensemble Gelegenheit mit Rainer Griesbaum über die spezifischen Probleme der Radikalisierung von Menschen bis hin zur Gewaltbereitschaft und –anwendung zu sprechen. Auf dieser Grundlage haben die beiden Theatermacher dann gemeinsam mit den Schauspielern den Text entwickelt. Die Uraufführung sah außer dem ehemaligen Terrorismusbekämpfer Rainer Griesbaum auch der türkische Botschafter in Deutschland, Avni Karsioglu, der nach Aufführung kommentierte, dass es gelungen sei, die Geschichte mit den Geschehnissen um die Terrorgruppe NSU in Zusammenhang zu bringen.

Neuer alter Bekannter am Mainzer Theater

Grimm. Ein deutsches Märchen (Premiere: 8.3.2013)

M. Dortschy in „Grimm“, Foto: Bettina Müller

Der 1982 in Gießen geborene Jan-Christoph Gockel ist Mitglied des Teams von Hausregisseuren, mit dem der künftige Intendant Markus Müller ab der Spielzeit 2014/2015 am Mainzer Staatstheater zusammenarbeiten wird. Gockel ist in der Nähe von Kaiserslautern aufgewachsen und studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt/Main. 2009 schloss er sein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin ab. Noch während des Regiestudiums inszenierte er beim Festival de Liège in Belgien und an der Schaubühne am Lehninerplatz in Berlin. Danach arbeitete er als freier Regisseur, unter anderem sowohl am Oldenburgischen Staatstheater als auch am Staatstheater Mainz, wo er unlängst „Grimm. Ein deutsches Märchen“ und davor Schillers „Räuber“ auf die Bühne des Kleinen Hauses brachte. Seine Wiener Performance „Psychiatrie!“ wurde für den Nestroy-Preis 2010 nominiert und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Mit seiner Trilogie der Träumer vom KonzertTheater Bern gewann er beim Heidelberger Stückemarkt 2013 den Nachspiel-Preis. Jan-Christoph Gockel wurde von Theater heute als Nachwuchsregisseur des Jahres nominiert. wl, 1.4.2014