Intendant Müller: „Theater muss ein politischer Ort sein“

Mainz, 10. Februar 2016: Markus Müller mit der Journalistin Ariane Binder beim Aschermittwoch im Erbacher Hof. © Bistum Mainz

Mainz, 10. Februar 2016: Markus Müller mit der Journalistin Ariane Binder beim Aschermittwoch im Erbacher Hof.
© Bistum Mainz

„Theater muss ein politischer Ort sein, an dem man eine Haltung einnimmt.“ Das sagte der Intendant des Mainzer Staatstheaters, Markus Müller, am Mittwochabend, 10. Februar 2016, im Erbacher Hof in Mainz. „Durch eine klare Positionierung muss das Theater zur Diskussion anregen, damit wir unverzichtbar werden in der Gesellschaft.“ Deshalb müsse Theater „auch mal wehtun und herausfordern, denn wir wollen erreichen, dass der Vorstellungsbesuch zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema führt.“ Müller äußerte sich im Gespräch mit der Journalistin Ariane Binder beim traditionellen Aschermittwoch der Künstler und Publizisten. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift „So tun als ob… – Das Theater als Möglichkeitsraum“.

Singen für Vielfalt, Offenheit und Toleranz

Als „eine künstlerische Antwort für Vielfalt, Offenheit und Toleranz“ bezeichnete er den Protest seines Hauses gegen eine Veranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im November vergangenen Jahres. Die Mitarbeiter hatten damals bei offenen Fenstern im Foyer des Staatstheaters die „Ode an die Freude“ angestimmt und so die Parteiveranstaltung vor dem Haus übertönt. Im Anschluss wurde eine Strafanzeige gegen Müller gestellt. Das Verfahren läuft derzeit noch.

„Ich würde das auch wieder machen“, betonte Müller. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dafür dass Fremdenfeindlichkeit und das Schüren von Ängsten in der Mitte unserer Gesellschaft nichts zu suchen haben.“ Nach der Aktion seien „tausende von positiven Rückmeldungen“ eingegangen, berichtete Müller, aber auch die Anfeindungen, die er deswegen erhalte, bestätigen ihn in seiner Position. Müller sagte, dass er sich in Mainz sehr wohl fühle. „Es wird einem in Mainz leicht gemacht, sich am rechten Fleck zu fühlen.“

Auftritte von Dorin Rahardja und Derrick Ballard

Der Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof, Professor Dr. Peter Reifenberg, hatte die Gäste im Ketteler-Saal des Erbacher Hofes begrüßt. Zu Beginn hatte Professor Thomas Duttenhoefer das von ihm geschaffene Bronzekreuz für den Innenhof des Erbacher Hofes erläutert. Das Kreuz war anlässlich der Wiedereröffnung des Erbacher Hofes nach einer umfassenden Sanierung Ende Januar aufgestellt worden. Musikalisch gestaltet wurde der Abend durch Dorin Rahardja und Derrick Ballard vom Opernensemble am Mainzer Staatstheater. Bei Gottesdienst im Dom hatten der Mainzer Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck und Domorganist Daniel Beckmann an der Domorgel den musikalischen Rahmen gestaltet.
[Quelle: Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 6 vom 11. Februar 2016]