Vorgestellt: Tanzdirektor Honne Dohrmann

Dohrmann, HanneHonne Dohrmann, ab der Spielzeit 2014/2015 Tanzdirektor am Mainzer Staatstheater, ist 1960 in Osterholz-Scharmbeck, nördlich von Bremen gelegen, geboren. Nach seinem Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften an den Universitäten in Göttingen und Berlin findet er als Folge der „Wende“ und der damit verbundenen Umstrukturierung der Theaterlandschaft in Deutschland keinen Zugang zum Theater. Deshalb arbeitete er von 1989 bis 1992 als TV-Journalist für RIAS TV und den NDR, anschließend war er bis 1998 als Programmkoordinator in der Kulturetage Oldenburg tätig und von 1998 bis 2008 geschäftsführender Gesellschafter von kultur nord – kulturmanagement.

Vom Freien Theater zum Staatstheater

Honne Dohrmann leitete in verschiedenen Funktionen zahlreiche internationale Tanz- und Theaterfestivals. Dazu gehörten „Laokoon“, das „Kampnage“- Sommerfestival in Hamburg, „Prisma“ in Oldenburg und „Polyzentral“ in Hamburg. 2008 initiierte er mit Kollegen das Projekt RepNet, ein Netzwerk von fünf zeitgenössischen Tanzcompagnien. Sein besonderes Interesse galt regional geprägten Kulturprojekten wie PLATTart – dem Festival für neue Niederdeutsche Kultur oder der Niederdeutschen Sparte am Oldenburgischen Staatstheater. 2008 initierte er mit Kollegen die Gründung von RepNet, einem Netzwerk zeitgenössischer Tanzcompagnien. Anfang 2009 wurde er in den Gutachterkreis für die Kulturprogramme der Europäischen Kommission berufen. Seit Mai 2011 arbeitet er im Vorstand von IETM – International Network for Contemporary Performing Arts mit.

Seit der Spielzeit 2007/2008 leitet Honne Dohrmann als Direktor der Tanzcompagnie Oldenburg. Im Rahmen seiner Tätigkeit ist er auch für das künstlerische Profil der Internationalen Tanztage Oldenburg und – gemeinsam mit Sabine Gehm – des TANZ Bremen Festivals verantwortlich.

Aus ballettmainz wird TanzMainz

Gemeinsam mit Markus Müller verlässt er seine norddeutsche Heimat und wechselt ab der Spielzeit 2014/2015 als neuer Tanzdirektor an das Staatstheater in Mainz. Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen, zumal er einräumt, dass er „nicht das ideale Alter für einen Start-Up“ habe. Nicht zuletzt die besseren Bedingungen in Mainz sprachen für diesen erneuten Wechsel. Das Theater in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt fasst 1000 Besucher und die Compagnie besteht aus 18 Tänzern – immerhin sieben mehr als in Oldenburg. Allerdings bricht Dohrmann mit der neoklassischen Ausrichtung dieses Ensemble, das zuerst von Martin Schläpfer (2005–2009), der heute an der Düsseldorfer Rheinoper engagiert ist, und danach von Pascal Touzeau (2009-2014)) geleitet wurde. Unter dem neuen Label „TanzMainz“ soll die Compagnie künftig ausschließlich mit wechselnden internationalen Gastchoreografen zusammenarbeiten und sich als große zeitgenössische Tanzcompagnien etablieren. Wichtig sind Dohrmann dabei – wie schon in Oldenburg – genre- und spartenübergreifende Produktionen. Dafür will er die größeren personellen Spielräume nutzen.

Grenzen und Reiz des Tanztheaters

An der Kunstform tanz fasziniert Honne Dohrmann vor allem, deren Offenheit gegenüber anderen Genres und seine Eignung zum kulturellen Austausch, da Tanz keine gemeinsame Sprache voraussetze. In einem Interview mit der Allgemeine Zeitung hat Dohrmann bekannt, dass er Stücke schätze, die den herkömmlichen Tanzbegriff erweitern und zeigen, „was Tanz kann“. Wörtlich sagt Honne Dohrmann: „Diese Abenteuer von Ästhetik und Verstehen – das reizt mich“. wl, 13.2.2014