Tontechnikern über die Schulter geschaut

 

Alexander Wodniok (rechts)

Alexander Wodniok (rechts)

Wer gibt im Theater den Ton an? Interessante Antworten erhielten die Mainzer Theaterfreunde vom Tonmeister des Staatstheaters Mainz Alexander Wodniok. Wer glaubt, dass Musiker, Sänger und Schauspieler ganz ohne Hilfe moderner Tontechnik auskommen, der irrt. Die Tontechnik ist im modernen Theaterbetrieb nicht nur für Geräusche wie Donner, Wind, Wasserplätschern verantwortlich, sondern auch dafür, dass der Ton der Künstler gut „rüberkommt“, nämlich über die Rampe. Nicht nur Laienschauspieler, etwa bei der Fastnachtsposse, die demnächst Premiere hat, bedürfen der technischen Verstärkung, sondern auch professionelle Künstler. Vor allem Regiekonzepte und Bühnenbilder erfordern immer wieder tonverstärkende Maßnahmen. Alexander Wodniok nennt einige aktuelle Beispiele.

Herausforderungen für die Tontechnik im Theater

500 Jahre Orchester Mainz

Foto: Achim Reisner

Die Platzierung des Staatsorchesters in der Rinaldo-Inszenierung der Operndirektorin Tatjana Gürbaca oberhalb und hinter den Sängerinnen und Sängern habe alle Mitwirkenden vor optische und akustische Probleme gestellt. Damit die Sänger den Dirigenten Hermann Bäumer sehen konnten, mussten zusätzliche Bildschirme verdeckt angebracht werden. Weil die Sänger Hermann Bäumer und seinem Orchester in der Oper den Rücken zukehren, muss der Gesang mit auf dem Boden liegenden flachen Mikrofonen aufgenommen und den Musikern per Lautsprecher zugespielt werden.

In der Inszenierung der Oper „Macbeth“ hat die Regie die Tontechnik vor die Herausforderung gestellt, den in den Kulissen verborgenen Opernchor zu verstärken. Alexander Wodniok erklärt, dass sie diese Aufgabe durch zusätzliche Lautsprecher auf der Bühne, die zur Bühnenrückwand ausgerichtet sind, gelöst haben. Wichtig ist immer, dass die Tontechnik die Akustik so verändert, dass dje Zuschauer dies nicht wahrnehmen können. Nicht zuletzt deshalb sind die – sage und schreibe – 96 Lautsprecher im Großen Haus des Mainzer Theaters gut versteckt, zum Teil unter der Wandverkleidung, angebracht.

Idealen Theaterraum gibt es nicht

Auch technische Details erfahren die Theaterfreunde von Alexander Wodniok. Die Nachhallzeit des Zuschauerraums beträgt 1,3 Sekunden und liegt damit unter dem optimalen Wert von etwa 1,5 Sekunden. Ein Grund dafür ist, dass der Raum zylindrisch und die Betonwände nicht mit schallschluckendem Material wie Holz verkleidet ist. Dagegen sind die gut 900 Sitze im Großen Haus mit Stoff bespannt und schallschluckend gepolstert. Mit Schallsegeln aus Glas bzw. Holz an den Seiten und über den rückwärtigen Pulten wird die Nachhallzeit günstig beeinflusst.

Den idealen Theaterraum, der akustisch für Konzerte, Opern und Sprechtheater geeignet ist, gibt es aber nicht. Während im Schauspiel die Textverständlichkeit im Vordergrund steht, muss im Musiktheater die Harmonie zwischen den Sängern auf der Bühne und den Musikern im Orchestergraben hergestellt werden. Nicht zuletzt deshalb wird der Boden des Orchestergrabens einmal angehoben und ein anderes Mal abgesenkt. Für Konzerte wird dagegen das „Konzertzimmer“ mit seinen gebrochenen Holzverkleidungen verwendet, was eine fast ideale Akustik gewährleistet. Tonmeister Alexander Wodniok verrät den interessierten Theaterfreunden auch ein Geheimnis, nämlich wo im Zuschauerraum die besten akustischen Verhältnisse herrschen.

Tontechniker im Theater sind kreative Autodidakten

IMAG0030Nicht nur die allseits bekannten Mischpulte sondern auch Computer gehören zum Arbeitsplatz jedes Tontechnikers im Theater. Tausende von Geräuschen stehen dort zum Abruf per Mausklick bereit: Straße kehren, Toilettenspülung, Autotür zuschlagen usw. Gebannt hören die Theaterfreunde einer startenden Rakete und einem „surround fliegenden“ Insekt zu.

Lernen kann man den Beruf Theater-Tontechniker nicht. Tontechniker am Theater sind notgedrungen Autodidakten im besten Sinne des Wortes. „Zum Beruf gehört Spaß und Kreativität“ sagt Alexander Wodniok. Eva von Hülst nennt die Tontechniker einfach „die Bastler“. Die Tontechnik könnte Regisseuren und Bühnenbildnern manchen Tipp geben, um das akustische Erlebnis für das Theaterpublikum zu optimieren, doch stellt Alexander Wodniok fest: „Auf den Ton hört doch beim Theater keiner.“ wl, 25.1.2014