Alltag im Theater: Was macht eine Dramaturgin beim Schauspiel?

Katharina Gerschler

Katharina Gerschler

Als Vorprogramm zur Mitgliederversammlung der Theaterfreunde Mainz am 13. Mai 2014 gab Katharina Gerschler, langjährige Schauspieldramaturgin am Staatstheater Mainz, einen erfrischenden Einblick in die Arbeit eines Dramaturgen. Angereichert durch persönliche Aspekte und Anekdoten zog Gerschler das Publikum eine Stunde lang in ihren Bann.

In angenehmen Plauderton stellte Katharina Gerschler ihre Arbeit analog zu den Phasen einer Schauspielproduktion dar: Am Anfang jeder Spielzeit steht deren Planung in Zusammenarbeit mit der Intendanz und der Schauspielleitung. Das heißt: Der Spielplan wird erstellt, indem Stücke – oder auch epische Werke – ausgesucht werden. Die Kriterien können dabei ein Spielzeitmotto sein oder sich nach den Möglichkeiten des Ensembles richten. Was kann wie mit welchen Schauspielern besetzt werden, mit welchen Regisseuren soll gearbeitet werden? – das sind die Fragen, die zu diesem Zeitpunkt beantwortet werden. Aber auch Urheberrechte müssen geklärt werden. Sobald der Spielplan steht, geht es für den Dramaturgen an das Erstellen des Spielzeithefts.

Bei der nun folgenden Produktionsdramaturgie bereitet die Dramaturgie zusammen mit dem Regisseur die Produktion vor. In dieser Phase variiert der Arbeitsaufwand besonders. Es erfolgt die Auswahl der Fassung und Übersetzung, das Zusammenstellen von Hintergrundinformationen zum Stück und gegebenenfalls geschichtlichen Hintergründen und vieles mehr. Dieses Recherchieren mache ihr besonders viel Spaß, betonte Gerschler.

Mit Beginn der Proben startet für die Dramaturgen dann die aktive Betreuung der Probenarbeit – und der Schauspieler, wie Gerschler verschmitzt hinzufügte. Die Proben erstrecken sich in der Regel über einen Zeitraum von sechs bis sieben Wochen. Während der gesamten Zeit begleitet die Dramaturgie die Produktion – auch aus dem Blickwinkel des Zuschauers. So können Rückmeldungen an das Produktionsteam gegeben werden. Unter Umständen müssen auch Rückmeldungen des Autors berücksichtigt werden, zum Beispiel dann, wenn ein Text sehr frei umgesetzt wird. Bei diesen Autorengesprächen hat Gerschler unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche Schriftsteller bestünden selbst auf kleinen Regieanweisungen, während andere, wie Elfriede Jelinek oder Peter Handke, ihre Stücke gerne verändern ließen.

Während der Probenzeit stellt der Dramaturg außerdem das Programmheft zusammen, das vor der Premiere erscheinen muss und übernimmt einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit.

Parallel zu den Produktionsphasen läuft das Tagesgeschäft. Dazu gehört zum Beispiel das Verfassen kurzer Texte zu den Stücken für die monatlich erscheinenden Spielplanbroschüren, das Organisieren von Kleinveranstaltungen, Lesungen, die Koordination von Veranstaltungen wie Poetry Slam oder Adventskalender. Gelegentlich muss das Ensemble ergänzt werden. An der Suche nach geeigneten Bewerbern und der Auswahl, zum Beispiel beim Vorsprechen, ist die Dramaturgie ebenfalls beteiligt.

Zur Person: Katharina Gerschler studierte Germanistik und Anglistik. Sie arbeitete einige Jahre in einem Theaterverlag, bevor sie als Dramaturgin engagiert wurde. Zum Ende der Spielzeit verlässt Gerschler das Staatstheater Mainz. Sie wechselt in gleicher Funktion an das Staatstheater Wiesbaden.