Alltag im Theater: Die Harfenistin

Am Nachmittag des 26. Januar 2017 erwartete Bea Anton, die Solo-Harfenistin des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, die Theaterfreunde, um ihnen einen Einblick in ihren Berufsalltag zu geben und sie mit ihrem Instrument vertrauter zu machen.

Geschichte der Harfe

Die Harfe, berichtet Bea Anton, gehört zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten. Generell gelte, dass alle Kulturen, die den Bogen kennen, auch Harfen hatten. So gab es schon im alten Ägypten Harfen. Auch in Irland, wo bis heute noch kleinere landestypische Harfen in Gebrauch sind, waren Harfen schon in früher Zeit bekannt.

Die Harfe des Staatsorchesters Mainz

Bea Anton hat eine moderne Pedalharfe mitgebracht, wie sie heute im Symphonieorchester gespielt wird. Die Pedalharfe wurde im 19. Jahrhundert in Frankreich entwickelt. Die Pedalfunktion ermöglicht es, alle Tonarten auf dem Instrument zu spielen. Die Grundstimmung der Harfe ist Ces. Für jeden Ton können die entsprechenden Saiten mittels der Pedale um einen Halbton erhöht oder erniedrigt werden. Somit ist es sogar möglich, zwei nebeneinanderliegende Saiten mittels entsprechender Pedalstellung auf den gleichen Ton zu bringen.

Die vorgeführte Harfe, Eigentum des Mainzer Staatsorchesters, wurde 2011 für rund 50.000 Euro gekauft. Eine solche Harfe bleibt ungefähr 20 Jahre lang spielbar, bis sie durch Verschleiß der Mechanik und Verformung der Resonanzkörperdecke die Stimmung nicht mehr gut genug hält. Harfen dieser Art wiegen etwa 40 kg und können somit gerade noch von einer Person transportiert werden.

Alltag der Harfenistin

Das professionelle Harfenspiel in einem Symphonieorchester bedeutet tagtäglich einen relativ großen Zeitaufwand: Pro Tag eine Stunde alleine üben, zwei Proben mit dem Orchester oder eine Probe und eine Aufführung sind die Regel. Hinzu kommt, dass Anton die Harfe vor jeder Probe und Aufführung stimmen muss, was jeweils etwa eine Stunde dauert. Stimmgerät, Stimmschlüssel und Ersatzsaiten hat Anton immer zur Hand, auch auf der Bühne.

Bevor Anton eine kleine Kostprobe ihres Könnens gibt, erklärt sie, dass sie beim Spielen die Saiten sehen muss, um richtig zu zupfen. Gleichzeitig muss sie auf den Dirigenten achten. Die Noten kann sie nur nebenbei im Blick haben. Direktes Spielen vom Blatt ist daher kaum möglich; die Stücke müssen vor den Proben erarbeitet und teilweise auswendig gelernt werden.

Antons Weg zur Berufsharfenistin

Anton gibt auch eher private Einblicke und erzählt, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist: In erster Linie durch ihre Mutter, die Geigerin im Staatsorchester Mainz war. Sie selbst hat als Kind zunächst Geige, Klavier und Flöte gespielt. Im Alter von neun Jahren bekam sie Unterricht im Harfenspiel. Später studierte sie an der Musikhochschule in München – Hauptfach Harfe. Nach dem Studium und einer Weiterbildung in Frankreich arbeitete sie zunächst als freie Harfenistin. Seit 2012 ist sie im Staatsorchester Mainz festangestellt.