Alltag im Theater: Der Kostümfundus

Am 16. Juni 2018 besuchten die Theaterfreunde Mainz Ingrid Lupescu, Leiterin des Kostümfundus des Staatstheaters Mainz, im Keller des Kleinen Hauses. In Lupescus Reich werden 30.000 bis 40.000 Kostüme aus abgespielten Produktionen aus Oper, Ballett und Schauspiel fachgerecht aufbewahrt.

Aufbewahrung und Pflege der Kostüme
Ist ein Stück abgespielt, kommt der komplette Kostümsatz für eine eventuelle spätere Weiterverwendung in den Fundus. Jedes Kleidungsstück wird geprüft und vor dem Einlagern gereinigt – falls erforderlich auch in Handwäsche. Die chemische Reinigung wird von Fachfirmen erledigt und kann für den Kostümsatz einer Oper bis zu 2.000 Euro kosten. Die Kostüme werden anschließend nach Stil und Zeit einsortiert, getrennt nach Damen- und Herrenbekleidung. Die “Kleiderschränke“ sind riesig: ein System aus verschiebbaren Elementen, ähnlich den Aktenlagern großer Archive.

Der Bestand wird turnusmäßig überprüft und gepflegt, damit die Kostüme in gutem Zustand bleiben. Zu diesem Zweck hat das Theater vor Kurzem einen Ozonschrank angeschafft. Seine Funktion kann man sich als eine Art extremer Lüftung vorstellen. Milben und Motten werden jeweils im Sommer mit Gas bekämpft.

Wiederverwendung der Kostüme
Dieser große Aufwand wird betrieben, weil die doch recht teuren und aufwändig speziell angefertigten Kostüme häufig weiterverwendet werden können. Oft werden schon während der Proben an einer neuen Produktion von der Regie Probenkostüme angefordert. Lupescu stellt dann einen Satz aus dem Fundus zusammen. Manche Kostüme können für eine neue Produktion nach einfachen Abänderungen direkt wieder verwendet werden. Somit dient der Fundus auch als Materiallager für die Schneiderei. Gelegentlich werden Kostüme auch an andere Bühnen verliehen.

Unvorstellbare Vielfalt
Ein Rundgang durch den Fundus zeigte die unglaubliche Vielfalt an Kostümen und Material, die hier gelagert werden. Lupescu zeigte Beispiele aus verschiedenen Produktionen und Stilrichtungen. Angefangen bei T-Shirts über Schuhe, Taschen und Hüte bis hin zu traumhaften Roben und Hochzeitskleidern.

Zur Person Ingrid Lupescu
Unter Martin Schläpfer als Balletchef des Mainzer Staatstheaters bis 2009 war Lupescu Tänzerin. Gegen Ende ihrer Bühnenkarriere überlegte sich Lupescu – wie alle Tänzerinnen und Tänzer – wie ihre berufliche Umorientierung aussehen könnte. Lupescu wollte am Theater bleiben und wurde Assistentin der Kostümdirektion. 2018 übernahm sie selbst die Leitung des Kostümfundus.