Alltag im Theater: Der Inspizient

Eckhard Wagner, Inspizient

Eckhard Wagner, Inspizient

Die Reihe “Alltag im Theater“ führte die Theaterfreunde Mainz am 25. Juni 2014 direkt auf die Bühne des großen Hauses, an den Arbeitsplatz des Inspizienten. Unsichtbar für die Zuschauer steht das Inspizientenpult auf der Bühne. Von dort aus organisiert der Inspizient den gesamten Ablauf einer Vorstellung – vom Einlassgong bis zur Saalbeleuchtung nach Ende der Vorstellung.

Am Mainzer Staatstheater arbeiten fünf Inspizienten: je zwei für Musiktheater und Schauspiel, einer für das Ballett. Eckhard Wagner, seit fünf Jahren Inspizient der Sparte Musiktheater, führte die Theaterfreunde informativ und unterhaltsam in seine Arbeit am Inspizientenpult ein.

Das Inspizientenpult

Eckhard Wagner, Inspizient

Eckhard Wagner, Inspizient

Das Pult steht – vollständig verdeckt vom Bühnenportal – seitlich auf der Bühne. Es ist eine Kommunikations- und Schaltzentrale mit vielfältigen technischen Einrichtungen. Vier Monitore verschaffen dem Inspizienten den nötigen Überblick über das Geschehen auf der Bühne und im Orchestergraben. Eine Kamera ist auf den Dirigenten gerichtet, da kein direkter Blickkontakt zwischen ihm und dem Inspizienten möglich ist. Die übrigen Monitore zeigen das Bühnengeschehen.

Die beidseitig an der Bühne im Zuschauerraum angebrachten und zur Bühne gerichteten Monitore werden bei Bedarf vom Pult aus ein- und ausgeschaltet, etwa wenn die Sänger aus ihrer Position den Dirigenten nicht direkt sehen können.

Eine Ruf- und Gegensprechanlage verbindet mit den Garderoben, dem Orchestergraben, dem Stellwerk für Beleuchtung und Ton und verschiedenen Büros. Zusätzlich gibt es eine Sprechfunkanlage, über die mit dem mobilen Personal wie Vorderhausdienst, Beleuchtern und Bühnentechnikern Verbindung besteht.

Von besonderer Bedeutung ist eine Lichtzeichenanlage, die vom Inspizienten bedient wird, um die einzelnen Auftritte zu steuern. Bis zu zehn rote Lichtzeichen können, für die Zuschauer unsichtbar, meist neben der Bühne angebracht werden, um dem Darsteller den genauen Zeitpunkt seines Auftritts zu signalisieren. Licht an bedeutet “Achtung“, Licht aus heißt „Auftritt“.

Das Inspizientenbuch

Eckhard Wagner, Inspizient

Eckhard Wagner, Inspizient

Anhand der aktuellen Produktion “Lady In The Dark“ erläutert Eckhard Wagner den Ablauf einer Vorstellung aus Sicht des Inspizienten: Wer den Ablauf einer Vorstellung organisiert und steuert, muss einen genauen Plan haben. Der Ablaufplan des Inspizienten steht in einem Buch. Dieses liegt auf dem Inspizientenpult. Rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn ist der Inspizient am Pult und nimmt das Ablaufbuch zur Hand.

Noch vor dem Probenbeginn wird das Buch vorbereitet. Es besteht aus einem Klavierauszug, der speziell für den Inspizienten gebunden ist. Auf dem ersten Blatt befindet sich eine Checkliste, anhand der der Inspizient die nötigen Vorbereitungen und Kontrollen durchführen kann. Auf den folgen Blättern befinden sich auf den linken Seiten die Noten, die gegenüberliegenden Seiten sind frei für Notizen.

Eckhard Wagner, Inspizient

Eckhard Wagner, Inspizient

Wurden von der Regie Striche vorgenommen, werden die betreffenden Seiten herausgetrennt. Register werden angebracht, um die Akte, Szenen, Verwandlungen und so weiter leichter zu finden. Die Auftritte werden markiert, ebenso die Anweisungen an Technik, Licht und Ton. Alle Beteiligten können so vom Inspizienten rechtzeitig vorgewarnt werden, damit die Vorstellung wie geplant ablaufen kann.

Doch nicht jede Vorstellung läuft immer genau nach Plan. Es passieren Fehler und es kommt zu Pannen, berichtet Wagner humorvoll.

Erst eine ganze Zeit nach Vorstellungsende ist der Arbeitstag des Inspizienten beendet – nämlich dann, wenn die Zuschauer den Saal verlassen haben, der eiserne Vorhang geschlossen ist und alle Lichter ausgeschaltet sind.

Wie wird man eigentlich Inspizient?

Eine geregelte Ausbildung gibt es nicht. Eckhard Wagner war einige Jahre Sänger im Mainzer Opernchor und kannte daher die Aufgaben des Inspizienten. Als am Staatstheater eine Inspizientenstelle frei wurde, hat er sich nach einiger Überlegung beworben und sich in die Materie eingearbeitet. hz