500 Jahre Reformation: IM ANFANG WAR DAS WORT

Foto. Andreas Etter

Honne Dohrmann, Birgit Pfeifer, Bettina Klünemann, Andreas Klodt, Markus Müller – Foto: Andreas Etter

Ab dem 16. November 2016 laden Theater und Kirche zu Konzerten, Lesungen, Gottesdiensten, künstlerischen Projekten, Workshops, Exkursionen und manchem mehr. Dabei kommt das Theater in die Kirche und die Kirche zum Gegenbesuch ins Theater. Drei Produktionen aus drei Sparten — das Schauspiel Nathan der Weise, die Oper Mathis der Maler und das Jugendtheaterstück Anders — werden dabei zum jeweiligen Ausgangspunkt einer vertieften Auseinandersetzung. Herzstück des facettenreichen Programms ist die große Tanzproduktion SHIFT des portugiesischen Choreografen Rui Horta in der Christuskirche, die am 21. Januar 2017 Premiere feiert.

„Geschrieben steht: ‚Im Anfang war das Wort!‘ Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?“ (Faust. Der Tragödie Erster Teil von Johann Wolfgang von Goethe) Schon an der Übersetzung des ersten Verses des Johannes-evangeliums scheitert Goethes Doktor Faust: Wort? Sinn? Kraft? Tat? So einfach lässt sich das altgriechische Wort „logos“ nicht übertragen, es entzieht sich einer eindeutigen Zuordnung. Nach der einen Wahrheit und Interpretation sehnt sich heute so mancher in einer unübersichtlichen, ausdifferenzierten und von Dogmen befreiten Gesellschaft. Kirche und Theater, traditionell eng verquickt, übernehmen da oft ähnliche Aufgaben: Helfen, einen Schritt aus dem Alltag herauszutreten, Werte zu befragen und an Überliefertes zurückzubinden, nicht den einfachen Weg zu gehen. Sondern über Umwege, Diskussionen und Perspektivwechsel zu einem Ziel zu kommen.

Als Martin Luther vor 500 Jahren seine Thesen veröffentlichte, setzte er das in Gang, was als „Reformation“ nicht nur die Kirche erneuern, sondern schließlich Teil einer Geisteshaltung werden sollte. Befördert von Buchdruck, Humanismus und Renaissance war sie Teil einer gesellschaftlichen und geistesgeschichtlichen Neuorientierung. 2017 wird dieses Jubiläum vielerorts gefeiert. Die Veranstaltungsreihe Im Anfang war das Wort soll Raum und Anregung bieten, über Wort, Sinn, Tat und Kraft nachzudenken und zu diskutieren.

„500 Jahre Reformation bieten einen reizvollen Anlass für die gemeinsame Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Veränderung, mit der Macht von Sprache und mit der Wirklichkeit, die durch sie geschaffen wird. Den Dingen auf den Grund zu gehen, um sie dann neu und möglicherweise ganz anders zu denken, ist eine Kernkompetenz des Theaters, dem dafür zahlreiche ästhetische Ausdrucksformen zur Verfügung stehen“, betont Intendant Markus Müller. „Dass wir im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe einmal mehr unser Haus verlassen und die große Tanzproduktion SHIFT in der Christuskirche zeigen, entspricht unserem Selbstverständnis als lebendiges Theater für die Stadt und die Region. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Dekanat und der Christuskirchengemeinde.“

Bettina Klünemann, Pfarrerin der Evangelischen Christuskirchengemeinde Mainz, erklärt: „Ich freue mich auf die außergewöhnliche Kooperation mit tanzmainz in der Christuskirche. 500 Jahre Reformation bedeuten 500 Jahre Wandel. Ich erhoffe mir im vertrauten Kirchenraum durch den Tanz neue Bilder für Veränderung von Kirche zu sehen. Bilder, die uns neue Spielräume für Kirche heute entdecken lassen! Körper ‚sprechen’ in der Kirche – das ist für mich spannend, denn der körperliche Ausdruck tritt normalerweise in der Kirche gegenüber der Sprache sehr in den Hintergrund.“

Die Karten für die Tanzproduktion SHIFT sind ab 12. November im Vorverkauf.

[Pressemitteilung des Staatstheaters vom 9.11.2016]